Für Frauen, 1. Kapitel

Filmmuseum
Montag, 22. Juni 2026 I 13.30 Uhr

Die Veranstaltung richtet sich insbesondere an Lehrlinge im Lebensmitteleinzelhandel und Schüler:innen ab der 9. Schulstufe, die sich für eine Ausbildung in dieser Branche interessieren

Kurzfilm | D 1972 | 29’ | DF 

Cristina Perincioli

Lebensmitteleinzelhandel im Film: Ein historischer Rückblick 

Schon in den ersten Filmen der Kinogeschichte sieht man Menschen, die ihrer Arbeit nachgehen. Seitdem werden Arbeitswelten und ihr Wandel in Filmen dokumentiert, erzählt und auch aktiv gestaltet. In dieser Veranstaltung für Lehrlinge des Einzelhandels wird eine Reihe unterschiedlicher filmischer Darstellungen der Arbeit im Lebensmittelhandel – speziell in Supermärkten – zu sehen sein. Die Bandbreite reicht dabei von Infofilmen der öffentlichen Hand über Home Movies von stolzen Ladenbesitzer:innen bis hin zu Aufnahmen für die staunende Öffentlichkeit über das in den 1960er Jahren neue Phänomen „Supermarkt“. Die versammelten Filme dieser Veranstaltung überspannen viele Jahrzehnte und zeigen so, was sich im Lebensmittelhandel im Laufe der Zeit alles verändert hat, was gleichgeblieben ist, und was man oft gar nicht mehr weiß, weil es sich schon so weit weg anfühlt.  

Besonders sticht dabei ein engagiertes Filmprojekt aus der BRD der 1970er Jahre hervor. „Für Frauen. 1. Kapitel“ von Cirstina Perincioli wurde von einem rein weiblichen Filmteam gemeinsam mit weiblichen Supermarkt-Angestellten (die auch die Hauptrollen spielten) entwickelt und realisiert. Heraus kam eine Geschichte, die von Alltag, Problemen und Ungerechtigkeiten des Arbeitsplatzes Supermarkt erzählt, garniert mit einer großen Portion Solidarität und Veränderungswille. 

Die vom Wiener Arbeitsfilmfestival und dem Österreichischen Filmmuseum kuratierte Zusammenstellung an Filmen und Filmausschnitten wird gemeinsam mit den Lehrlingen geschaut und diskutiert. Die Lehrlinge bekommen dabei die Möglichkeit, zu erzählen, was das Gesehene mit ihrer Arbeitsrealität zu tun hat, in welchen Filmmomenten sie sich wiederfinden und welche sie verwundert zurücklassen. Von den Leiter:innen der Veranstaltung kommt Input über die historischen Hintergründe der Entstehung der Filme sowie zur Frage, wie die filmische Form Aussage und Wirkung eines Films mitbestimmt. 

Die Veranstaltung richtet sich insbesondere an Lehrlinge im Lebensmitteleinzelhandel und Schüler:innen ab der 9. Schulstufe, die sich für eine Ausbildung in dieser Branche interessieren. 

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Für Frauen, 1. Kapitel 

Cristina Perincioli 

Kurzfilm | D 1972 | 29’ | DF 

Vier Verkäuferinnen – Ulla, Edda, Janine und Helga – arbeiten in einem kleinen Edeka-Laden und sind dort mit dem rauen Alltag von Kisten, Kassa und Warenräumen ebenso konfrontiert wie mit sexistischen Sprüchen ihres männlichen Kollegen und des Ladenbesitzers. In ihren Pausen sprechen sie über private Belastungen, Geldsorgen und den Druck, Familie und Erwerbsarbeit gleichzeitig bewältigen zu müssen. Als der Ladenbesitzer dem einzigen männlichen Angestellten mehr Lohn und eine Aufpasserrolle über die Frauen überträgt, wächst ihr Misstrauen. Schließlich entdecken sie, dass er für dieselbe Arbeit besser entlohnt wird. Die Frauen solidarisieren sich, stellen den Chef zur Rede und setzen sich gemeinsam gegen die Ungleichbehandlung zur Wehr und letztlich gleichen Lohn durch. Der Film erzählt von weiblicher Solidarität, Widerstand und Selbstermächtigung im vom Patriarchat dominierten Arbeitsalltag. 

Der Film „Für Frauen, Kapitel 1“ war Perinciolis Abschlussarbeit an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin und gleichzeitig einer der ersten Filme in Westdeutschland, der von einem reinen Frauenteam realisiert wurde. Alle beteiligten Frauen, auch die Laiendarstellerinnen – Hausfrauen und Verkäuferinnen – wurden in die Filmentstehung mit einbezogen. (Rebecca Wegmann

„Denn der gemeinsame Ausgangspunkt ist kein geringerer als die Erfahrung, dass die Diskriminierung der Frau am Arbeitsplatz die Grundlage für jede gesellschaftliche Unterdrückung der Frau schafft.“ (Cristina Perincioli) 

„Dieser Film wurde von Verkäuferinnen und Hausfrauen gemacht. Sie haben sich diese Geschichte selbst ausgedacht und gespielt. Sie wollten die Rolle der berufstätigen Frau so darstellen, wie sie sie erleben, und zeigen, warum sie sie verändern wollen. Die Filmstudentinnen haben ihnen dabei geholfen“ (Filmzitat)

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