Stolz & Eigensinn
Admiralkino
Freitag, 22. Mai 2026 I 20.00 Uhr
Dokumentation | D 2025 | 113´ | DF
Gerd Kroske
„Stolz und Eigensinn“ ist ein eindringlicher Dokumentarfilm über Arbeiterinnen in Industrie-Großbetrieben der ehemaligen DDR, die sich ihre erkämpfte Unabhängigkeit, ihren Stolz und ihren Eigensinn bis heute bewahrt haben. Unmittelbar nach der Wende – in einer Zeit von Massenentlassungen, wirtschaftlichem Umbruch und tiefgreifendem Statusverlust – erzählen sie von ihrem Arbeitsalltag, von gelebten Utopien und der Selbstverständlichkeit, mit der sie sich in sogenannten Männerberufen behaupteten.
Das historische Filmmaterial, aufgenommen auf U-matic-Bändern und überliefert aus den Beständen des Leipziger Piratensenders KANAL X sowie dem Archiv der Bürgerbewegung, zeigt nicht nur die sozialen Verwerfungen der Nachwendezeit, sondern auch die Stärke und das Selbstbewusstsein dieser Frauen. Es dokumentiert ihre Erfahrungen von Abwertung und Benachteiligung – und zugleich ihre Genugtuung darüber, sich in typischen Männerberufen durchzusetzen. So werden wir Zeugen von Emanzipation und von Unabhängigkeit in einer Gesellschaft, für die Arbeit als zentraler Wert gegolten hat.
Mehr als 30 Jahre später hat Regisseur Gerd Kroske diesen filmischen Schatz gehoben und die damaligen Protagonistinnen wieder aufgesucht. In einer experimentellen Split-Screen-Anordnung begegnen sich Vergangenheit und Gegenwart: Die Frauen betrachten ihr jüngeres Ich, kommentieren, hinterfragen und reagieren spontan. So entstehen lebendige, vielschichtige Porträts, die persönliche Erinnerungen mit historischer Reflexion verweben.
Der Film wird zu einer medialen Einkreisung zentraler Fragen: Was wurde einst gewonnen? Was ist verloren gegangen? Und was bleibt von den Träumen und Errungenschaften dieser Generation? „Stolz und Eigensinn“ schließt eine Lücke in der Erinnerungskultur und würdigt Frauen, deren Lebensleistungen lange übersehen wurden. (Reinhold Gaubitsch)
„Stolz & Eigensinn ist ein Film, der sich den etablierten Ost-Klischees nicht nur widersetzt, sondern den Freiheitsbegriff einfach anders definiert.“ (Angelika Nguyen, JACOBIN)
„Stolz und Eigensinn“ blickt in den Maschinenraum der Arbeitswelt, die nach 1990 auch dem geschlechterpolitischem Backlash im neuen Deutschland ausgesetzt war. Dieses vergessene Kapitel der Geschichte wäre nicht nur bei Vorführungen in westdeutschen Gewerkschaftskreisen anschlussfähig, das würde auch um 20.15 Uhr in ARD oder ZDF beim Publikum Eindruck machen.“ (Matthias Dell; Tagespiegel)
„Dieser Dokumentarfilm ist kein sentimentales Zeitdokument, sondern eine präzise Versuchsanordnung über Erinnerung, Geschlecht und Arbeit in den verschiedenen Gesellschaftssystemen. Dabei ist der Film so zurückhaltend, so klug inszeniert, dass die pure Existenz der Frauenpersönlichkeiten im Scheinwerferlicht stehen kann, in all ihrem Stolz und Eigensinn.“ (Ulrike Lykke Langer, MDR)
Austrian Premiere
Zusätzliche Sondervorführung bei freiem Eintritt
in Anwesenheit von ÖGB- Bundesfrauensekretärin Dorottya Kickinger
am Montag, 8. Juni 2026, 18.00 Uhr
Ort: Veranstaltungszentrum Catamaran
Veranstaltungssaal Wilhelmine Moik
Johann-Böhm-Platz 1, 1020 Wien
