
Korea’s Generation Internship 4.0
Jörg Markowitsch — 20.11.2020
The TV series "Misaeng: Incomplete Life" gives deep insights into South-Korea's working world and the difficult transition to get there.
Korea hat 2020 Filmgeschichte geschrieben. Der Film ‚Parasite‘ von Bong Joon-ho hat als erster fremdsprachiger Film den Oscar für den besten Film bekommen. Bis dahin dachten wohl die meisten das geht gar nicht, denn auch für außergewöhnliche Nicht-Englischsprachige-Filme war der “Auslands-Oscar” das höchste der Gefühle. ‚Parasite‘ ist eine bitterböse filmische Kritik der wachsenden Ungleichheit der koreanischen Gesellschaft: Drama, Horror, Thriller, Komödie, Satire. Genresprengend, innovativ, genial.
Ebenfalls nicht einzuordnen, und genauso Ungleichheiten auslotend, ist die mehrfach prämierte und in Korea extrem erfolgreiche TV-Serie ‚Misaeng: Incomplete Life‘ aus dem Jahr 2014. Die Serie erzählt den ungewöhnlichen Einstieg — und Aufstieg — des jungen Geu-rae in einen großen internationalen Handelskonzern. Bislang auf Gelegenheitsjobs angewiesen, mit denen er sich und seine Mutter über Wasser hält, schafft es der junge ‚Go‘-Nerd sich irgendwie gegenüber anderen Praktikanten in dem Konzern zu behaupten. Dabei besitzt er gerade mal ein Schulabschlusszeugnis, während alle andere Praktikanten Diplome renommierter Universitäten vorweisen können. Er spricht kein Englisch, alle anderen mehrere Fremdsprachen fließend. Sehr schön etwa die Szene im Pilotfilm, in der er bei jedem Anruf eines Kunden seine Praktikantenkollegin Young-yi non-verbale um Hilfe bittet, da er die internationalen Anrufer nicht versteht. Er zerrt sie buchstäblich – ohne dass es anzüglich wird – zum Telefon, wo sie jedes Mal in einer anderen Fremdsprache eloquent antwortet.
Mit seiner ausgeprägten sozialen Kompetenz gelingt es ihm letztlich dem super-hierarchischen, ultra-diskriminierenden, und mega-kompetitiven koreanischen Büroalltag zu trotzen. Als er entgegen aller Erwartungen, fix in das Sales-Team aufgenommen wird, wähnt man sich kurz sogar in einem neuzeitlichen Filmmärchen. Als Ganzes lässt sich die Serie aber schwer einordnen: Sozialromanze? Satire? Büro-Komödie? Drama oder doch Doku? Von allem ein wenig, aber jedenfalls ganz viel Einblick in die Rekrutierungspraktiken und den Alltagswahnsinn koreanischer Unternehmen. Auch wer Anschauungsmaterial für das tief in der Koreanischen Arbeitsalltagskultur verankerte Mobbing durch Vorgesetzte sucht, wird hier in jeder Folge fündig, erschreckend. Im Übrigen haben die Koreaner zu diesem Zweck den Neologismus ‚Gapjil‘ erfunden, (die Japaner ‚Pawa-hara‘ — (aus ‚Power Harrassement‘) und erst kürzlich ein Gesetz dagegen erlassen.
Misaeng: Incomplete Life (2014), Trailer

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Site picture, the young Geu-rae’s (Im Si-wan)
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